Ein Ehrenamt, das einfach Spaß macht“

Ein Ehrenamt, das einfach Spaß macht“
Die Ablösesumme einer Parzelle richtig zu ermitteln, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Doch wie genau sieht der Tag eines Wertermittlers aus? Was macht seine Arbeit aus? Wir haben bei Michael Wiederstein, Wertermittler im Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe (BVKA), nachgefragt.
Wenn ich morgens losfahre, um in drei bis vier Kleingartenparzellen die Ablösesumme zu ermitteln, mache ich mir natürlich Gedanken, was mich dort heute erwarten wird. Sind es schöne und gepflegte Gärten oder verwilderte Gärten mit zerfallenen Lauben?“, erzählt Michael Wiederstein, ausgebildeter Wertermittler im Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe (BVKA). In der Regel trifft der Sachverständige auf ordentliche Parzellen. „Die anwesenden Pächter zeigen uns dann ganz stolz ihre Gärten, in die sie über die Jahre viel Arbeit gesteckt haben. Und das ist auch das Aufregende an diesem Ehrenamt. Als Wertermittler bekommt man mit der Zeit so viele unterschiedliche Gärten zu sehen, lernt viel Neues und baut so einen riesigen Erfahrungsschatz auf.“ Seit mittlerweile zwei Jahren arbeitet Michael Wiederstein ehrenamtlich als Wertermittler. 
Eine Wertermittlung wird dann nötig, wenn ein Pächter seine Gartenparzelle altersbedingt, aus beruflichen oder privaten Gründen aufgeben muss und es zur Kündigung kommt. Um die Parzelle neu verpachten zu können, ist ein Sachwertgutachten durch einen unabhängigen Wertermittler nötig. Dieses beinhaltet die Ablösesumme und eventuelle Auflagen sowie Rückbaumaßnahmen, die vor einer Neuverpachtung erfüllt werden müssen. 
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Michael Wiederstein prüft das Holz

Teamarbeit ist wichtig

„Zum Tag der Wertermittlung werde ich im Kleingartenverein durch einen Vereinsvertreter empfangen, der mich in die entsprechende Parzelle führt und mir für grundsätzliche Fragen wie das Alter der Laube, vorhandene Baugenehmigungen oder die Größe der Parzelle zur Verfügung steht.“ Die Wertermittlung wird in der Regel von zwei Sachverständigen durchgeführt. Das hat den großen Vorteil, dass nichts übersehen wird, was für die Wertermittlung relevant ist, und neu ausgebildete Wertermittler immer einen erfahrenen Wertermittler zur Seite haben. „Teamarbeit gehört zu diesem ehrenamtlichen Job einfach dazu“, sagt Michael Wiederstein. „Zumal es auch einige Zeit dauert, bis man eine Sicherheit für die Werte im Kleingarten entwickelt hat. Außerdem macht es gemeinsam natürlich auch mehr Spaß, man kann sich gegenseitig unterstützen. Wir sind ein gutes Team!“

Freude an der Arbeit 

Die ehrenamtliche Arbeit als Wertermittler für Kleingärten beschreibt Michael Wiederstein als sehr abwechslungsreich. Die Arbeitszeiten sind flexibel gestaltbar.  Warum Michael Wiederstein Wertermittler geworden ist? „Ich habe einfach meine Freude daran. Es ist schön, das Gartenjahr, die Jahreszeiten und die Tierwelt bei meiner Arbeit wahrzunehmen. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes.“

Ein verantwortungsvolles Ehrenamt

Natürlich muss man als Wertermittler einiges an Fachwissen mitbringen, das in Schulungen des Verbands der Kleingärtner Baden-Württemberg (VKBW) regelmäßig vertieft wird. „Als Wertermittler hat man eine Verantwortung gegenüber dem Verein und dem Pächter, alles richtig zu vermessen“, so Michael Wiederstein. Die Werte in der Parzelle werden in drei Teilen aufgenommen. Dazu gehören die Laube mit Pergola, die Gestaltungselemente wie zum Beispiel Wege, Gartentore, Brunnen oder der Rosenbogen. Aber auch der Aufwuchs und die Anpflanzungen wie Obstgehölze und mehrjährige Früchte und Ziergehölze oder Stauden fließen in die Bewertung mit ein. „So wird dann zum Beispiel im Garten jede Rose gezählt und unterschieden in Busch-, Edel-, Halbstamm- und Kletterrosen aufgenommen. Das dauert etwa 45 Minuten bis eine Stunde, bis alle Werte in der Kleingartenparzelle aufgenommen sind. Wenn man gern im Garten ist und Freude an der Arbeit im Grünen hat, vergeht die Zeit wie im Flug“, weiß der Wertermittler.
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Michael Wiederstein bewertet einen Obstbaum

Das richtige Maß

Ausgestattet mit Klemmbrett, Schreibgerät und Metermaß gehört es zu Michael Wiedersteins wichtigsten Aufgaben als Wertermittler, auch die Laube genau zu vermessen und deren Beschaffenheit aufzunehmen. „Da gibt es ganz verschiedene Kriterien: Ist die Laube aus Holz oder Stein gebaut, ist eine gemauerte Laube verputzt und innen mit Holz verkleidet, ist das Fundament betoniert, ist der Bodenbelag gefliest, mit Teppich oder anderem Material belegt, gibt es Regenrinnen aus Kunststoff oder Metall? Das alles fließt in die Bewertung mit ein“, erklärt Michael Wiederstein. Auch das Alter der Laube ist für die Preisfindung ganz wichtig. In der Wertermittlung werden auch angeordnete Rückbaumaßnahmen für Baulichkeiten und Anpflanzungen berücksichtigt, die nicht der Gartenordnung entsprechen. „Da gehören zum Beispiel eine zu große Laube, der nicht statthafte Anbau an der Laube, eine zu große Pergola, der betonierte Teich, der separate Geräteschuppen oder das separate Toilettenhäuschen dazu.“ Auch unerlaubte Anpflanzungen wie zum Beispiel Thuja, Wal- und Haselnussbäume, Fichten und Tannen sind samt Wurzelwerk zu entfernen. „Diese Auflagen sind immer vom ausscheidenden Pächter zu erfüllen und der Kleingarten darf erst vom Verein neu verpachtet werden, wenn alle Auflagen erfüllt sind“, sagt Michael Wiederstein. Ist dann alles in den Kleingartenparzellen vermessen und gezählt, geht es zum Erstellen des Sachwertgutachtens in das Verbandsgebäude des BVKA. „Am Ende steht dann die Ablösesumme der Kleingartenparzelle fest. Diese variiert natürlich für jeden Kleingarten.“